Meine Damen, meine Herren. Sie müssen umdenken. Wir alle müssen umdenken. Denn nun ist bewiesen, was zwar viele von uns im Verborgenen ahnten, doch nur wenige zu formulieren getrauten. St. Bündner war kein Mörder. Er wurde zu Unrecht verurteilt. Die Anklage gegen ihn hat sich in allen Punkten als konstruiert erwiesen. St. Bündner ist seinem Volke über hunderte von Jahren hinweg als Verräter abspenstig gemacht worden. Doch er war ein großer Mann, ein Heiliger. St. Bündner hat unserer Premierministerin das Leben gerettet, als die Zeugen Jehovas sie während einer Parlamentssitzung exekutieren lassen wollten. Er hat seine Gesundheit riskiert, um das Wohl kommender Generationen zu gewährleisten. Er handelte stets selbstlos und doch ward sein Vermächtnis geschändet. Es ist nunmehr die Pflicht aller freien Menschen, St. Bündner in Ehren aufleben zu lassen und sein Andenken in neue Höhen zu tragen. Wir, Sie und ich, müssen hier und heute den Grundstein zu dieser Neuordnung Nachkriegsdeutschlands legen.
St. Bündner war stets treu. Niemals hat er Flüge begleitet und niemals sein Geld auf schlechte Karten gesetzt. St. Bündner war ehrlich. Schon früh offenbarte er jenen jungen Propheten, die heuer landläufig als Weinfreunde Unterrath fungieren, den letztlichen Sinn aller Existenz: Den Rausch. Er trat damit in direkte Tradition solch illustrer Figuren wie Julius Cäsar und William Shakespeare. Doch St. Bündner war mehr als sie. St. Bündner verkörperte durch sein bloßes Wort, sein bloßes Eintreten um den Drang aller Farben, die Sehnsucht aller aufgeklärten Menschen. Den Himmel, den soviele noch heute ersehnen, hat er zu Lebzeiten geschaffen, in edlen Birnen, wie in erlesenem Tee. Mit seinen Freunden und Communiqués konnte sich St. Bündner in acht Sprachen fließend verständigen, im Kreise der Familie sprach er nur Französisch. St. Bündner war eitel. So man diesen Wesenszug als Sünde anzurechnen gewillt ist, war St. Bündner ein reuiger Sünder. Stets suchte er, die eigene Schönheit dem Menschen zu offenbaren. St. Bündner war Heiland. Er nahm mehr als ein Kreuz und mehr als einen Tod auf sich, um uns in gläsernen Bahnen Willkommen zu heißen, Willkommen der neuen Welt!
Großer St. Bündner! Wie haben wir dich verleumdet und dir Unrecht getan! Wie haben wir uns verleiten lassen von den Werbeplakaten, von den Kraftwerksbesitzern und Puppenspielern. Am Ende war doch unsere Freiheit der letzte Beweis deiner Treue, aber wir waren blind, um der Blindheit Willen, waren gestorben, um des Todes Willen und all seiner glücklichen Kinder. Du, großer St. Bündner, hast uns niemals angeklagt. Als wir dich in Ketten legten, hießest du noch den niedersten Knecht deinen Bruder. Als wir dein Urteil verlasen, sanntest du um die Neugestaltung Afghanistans. Als wir dein Haupt auf den Richtbock zwangen, stimmtest du zwei Ave Maria und ein Weinfreunde Unser an. Du warst groß. Du warst groß und wir werden versuchen, uns deiner Größe einst würdig zu erweisen.
Wir, die wir hier versammelt sind, Sie und ich, wir wollen einst an die Pforten des Himmelreichs pochen und Dank sagen. Wir wollen einst Mohnblüten setzen und Nelken erbrechen, um all jene Bibeln, die du uns geschenkt hast. St. Bündner, wir bitten dich nicht um Verzeihung, ersuchen dich nicht um Vergebung. Doch lass unsre Kinder und deren Familien nicht siechen in Angst und Verzweiflung, ob ihrer feisten Väter und Mütter Sünde. Ehre dein Gelübde, wie wir das unsere ehren wollen. Sei stolz! Trugst du nicht all die Kugeln mit Fassung und schirmtest den König gen Hugenbergs Schiff?
Großer, tapferer, verlesener St. Bündner! Die Kathedralen der alten Welt stehen leer und verfallen. Wir wollen sie aufs Neue in deinem Namen weihen! Die Karteikarten bleichen und drohen zu schwinden. Wir wollen dein Wort an den Himmel schreiben!
Treuherziger St. Bündner! Wir Weinfreunde sind von jeher deine eifrigsten Diener gewesen. Wir pflügten den Hang bereits, als die Blutsverräter um Blücher noch deutsche Landen entweihten. Wir lehrten dein Wort in den Türmen Ascoviens und in den Bunkern Stalingrads. Nimm nun unsre Demut und scheide die Welten, dass einstmals mag all deinen Menschen vergönnt sein das Glück und die Wahrheit, dern du jeden Tag deines Lebens gewidmet hast! Die neue Welt erhebt sich und dein Bildnis ziert ihre Banner! Großer St. Bündner, empfange den Tross in den Bergen und offenbare dich, fern aller Quellen! Blüht Enzian auch in den widrigsten Nischen, am Ende steht Sehnsucht, um deinen Geschmack!
Wednesday, July 02, 2008
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